Statements

PODIUM/DISKUSSION #1

Anja Nowak: Theoretisches Streugut. Adornos Gedanken zum Theater
Adornos Auseinandersetzung mit dem Theater bleibt bruchstückhaft und widersprüchlich. Doch das macht sie nicht minder interessant. Ohne Gegenstand einer zusammenhängenden Theorie zu sein, vagabundiert das Theater durch Adornos Texte und zeigt sich in den unterschiedlichsten Gestalten und Funktionen. Es bricht die Strenge der Theorie, dient als Modell und Metapher, als Verhandlungsort und künstlerisches Ideal. Und obwohl Adorno auch vieles am Theater verkennt, muss man sich schließlich beinahe fragen: Ist für Adorno vielleicht sogar jedes gelungene Kunstwerk bis zu einem gewissen Grad theatral?

Hans-Thies Lehmann: Theater zwischen Mimesis und Feuerwerk. Adornos Ideen zur Aufführung
An einigen gegenwärtigen Inszenierungen wird auf dem Hintergrund von Adornos Ästhetischer Theorie herausgearbeitet, wie versucht wird, den Ereignischarakter des Theaters in der Dialektik von Mimesis und ästhetischer Konstruktion zu behaupten.

PODIUM/DISKUSSION #2 

Patrick Primavesi: Theater von den Rändern her denken
Für den Versuch, Theater als soziale und künstlerische Praxis auch ausgehend von Theodor W. Adorno zu denken, spricht unter anderem eine Grundfigur kritischer Theorie: Aufmerksamkeit für das Marginale, das sich den großen Erzählungen der Repräsentation entzieht. Erscheint in Adornos Schriften Theater eher am Rande, so fällt doch die Insistenz auf, mit der er das Ephemere behandelt – neben bürgerlichem Schauspiel und Musiktheater auch Tanz, Varieté und Zirkus, wobei Funken der Utopie selbst aus dem schonungslos analysierten Unterhaltungsbetrieb aufblitzen können. Im Hinblick auf aktuelle Tendenzen, Theater als Institution für Events der Populärkultur zu öffnen, gilt es, gerade die randständigen Impulse von Adornos Denken wahrzunehmen und zu diskutieren.

Alexander Karschnia: Adorno&Co. oder Besetzt das Institut für Sozialforschung!
Aktionismus ist regressiv“, schrieb Adorno. Dieser Befund traf auf heftigen Widerspruch seiner Studenten. Einige besonders regressive plakatierten Adornos apodiktischen Sätze an die Wände und riefen in seinem Namen dazu auf, sich zu melden, um die Kluft zwischen Theorie und Praxis zu überwinden. Adorno erstattete Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung, aus Berlin meldeten sich Bernd Rabehl und Rudi Dutschke, die sich der Gruppe SPUR, der deutschen Sektion der Situationistischen Internationalen, anschlossen. Die heutigen Nachfolger der Situationisten, die Gruppe Tiqqun, scheint jedoch Adornos Befund näher zu stehen als deren damaligen deutschen Ableger. So rufen sie in ihrem AUFRUF dazu auf, mit dem Aktionismus unserer Tage zu brechen. Vor dem Hintergrund dieser Neuauflage der situationistischen Geste soll eine Neubewertung des culture clash zwischen Adorno und den SDS-Aktivisten stattfinden, in der Hoffnung, sowohl einen erneuerten Begriff des politischen Handelns zu erhalten als auch der performativen Praxis.

Aenne Quiñonesim Gespräch über Produktionsformen, Institutionen und Dramaturgien
Das Theater HAU Hebbel am Ufer in Berlin ist seit mehreren Jahren ein Schauplatz für neueste Entwicklungen im Gegenwartstheater. Die Arbeit an unkonventionellen künstlerischen Formaten und die Suche nach neuen ästhetischen und politischen Strategien prägen das Haus dabei ebenso wie die Zusammenführung von international bekannten TheatermacherInnen, freien Theatergruppen und Tanz- und Performance-KünstlerInnen unter einem Dach.
Mit Aenne Quiñones, die seit den 1990er Jahren eng mit diesen KünstlerInnen zusammenarbeitet, möchten wir sowohl den Wandel der Institution Theater als auch der künstlerischen Prozesse diskutieren. Was sind gegenwärtige Strategien von Theaterschaffenden? Was bedeuten die Veränderungen für die Öffentlichkeit des Theaters? Welche Rolle spielt Kritik in diesen Prozessen? 

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